Hier entsteht eine Art Tagebuch entstehen wie ich meine Zeit ab dem 01.01.2026 auf der Ziegenfarm in Sollia/Norwegen bei Tanja Vaaler
Verbracht, erlebt und vor allem gelebt habe
Ein ganz normaler Tag hier auf der Milchziegenfarm
- Ab 6.30 Uhr in den Stall, ausmisten von Hand mit Schaufel und Besen, keine Elektronik
- Heu manuell vom Heuboden holen, mit der Heugabel, das ist anstrengend, weil wir dabei Staubschutzmasken tragen müssen, besser für die Lunge
- Fütterung, sämtliche Raufen füllen und mittig den sogenannten Futtertisch neu decken
- Überprüfungsrunde, immer 12 Ziegen kommen auf den Melkstand, bekommen dort Kraftfutter und Mineralien, Euter werden überprüft, und es wird nach Verletzungen und Anschwellung bezüglich der Geburten geschaut, manche mit zu viel Milch werden gemolken
- Hühner füttern, Wasserbehälter reinigen und neu befüllen
- Eier einsammeln
- Zwischen 10 und 11 Uhr sind wir durch, dann gibt's Frühstück/Mittag Kombination
- 17 Uhr Stallarbeit Abend, Reinigung (nicht komplett Ausmisten)
- Heu vom Heuboden holen, Futter verteilen, Tränke im Freien vom Eis befreien, Außenbereich bis zur Tränke säubern
- Danach umziehen, Duschen und dann kocht Tanja was zum Abendessen
- Feierabend Zwischen 21 und 22 Uhr, dann ziehe ich mich in mein Domizil zurück und gehe zeitnah schlafen
Was macht die Auszeit mit mir
Seit Januar bin ich jetzt hier, im Norden, auf der Ziegenfarm. Hier ist die Luft klarer als meine Gedanken, und die Stille der Berge ist das einzige, was meinen inneren Lärm für einen Moment zum Schweigen bringt. Ich bin hierher geflohen-nicht vor den Menschen, sondern vor der Version von mir, die ich zu Hause sein muss. Ich bin hier, damit meine Seele heilen kann, damit ich die primäre Kraft finde, die mir Jahrzehnte das funktionierens geraubt haben.
In der Arbeit mit den Tieren Komma in der Kälte und der Einsamkeit, finde ich Fragmente meines eigenen Willens wieder Punkt ich lerne, wie es sich anfühlt, mein Leben frei zu gestalten, ohne dass jede Bewegung kommentiert oder jeder Schritt getaktet wird. Ja, es gibt Zeiten Komma in welchen es Sinn macht mit dem misten der Stelle und dem Füttern der Ziegen anzufangen, aber findet diese Arbeit mal eine Stunde früher oder 20 Minuten später statt, gibt es dafür kein Tadel. Die Ziegen freuen sich wenn endlich jemand den Stall betritt und sich um sie kümmert, bedingungslos und ohne Urteil.
Doch über jedem Tag liegt auch ein Schatten des Aprils.
Mitte April - das Datum meiner Rückkehr - fühlt sich an wie eine unsichtbare Mauer, auf die ich mit hoher Geschwindigkeit zufahre.
Zu Hause wartet ein Ehemann, der "ihr Leben ausleben" will, was für ihn bedeutet, dass ich wieder in seine Form passen muss. Dort warten fordernde Menschen, die Hände ausstrecken, um von mir zu nehmen, was sie selbst noch nicht einmal besitze: Energie, Liebe, Geduld.
Ich frage mich jeden Tag: wie soll ich das Licht, dass ich hier oben mühsam entfacht habe, in ein Haus tragen, das von narzisstischer enge und Kontrolle geprägt ist? Wie kann ich geben, wenn mein eigener Kelch gerade erst beginnt, sich tropfenweise zu füllen? Die Angst bleibt: dass die Freiheit, die ich hier spüre, nur ein geliehener Traum ist, der an der Haustüre zerbricht.
Ich erlebe hier jeden Tag aufs neue, wie es ist, endlich wieder frei zu atmen.
Auseinandersetzung mit meinem inneren Kind
Gerade schreibe ich an dem wohl wichtigsten Buch meines Lebens: meiner eigenen Geschichte. Es ist eine Reise, die mich an Orte führt, die ich lange gemieden habe. Die Gefühle fahren Achterbahn - mal ist da der Schmerz der Erinnerung, mal die befreiende Klarheit. Doch inmitten dieser emotionalen Turbulenzen passiert etwas wundervolles: ich finde endlich den Weg zu meinem inneren Kind. Ich kann das heute so in den Arm nehmen, wie es damals gebraucht hätte.
Diese Biografie zu schreiben bedeutet für mich nicht nur Rück-Schau, sondern vor allem Heilung
Worte sind Brücken in die Vergangenheit.
Während ich Texte für meine Biografie verfasse, begegne ich den Schatten und Lichtern meiner Geschichte. Es schmerzt, die alten Seiten noch einmal aufzuschlagen, doch in der Tiefe wartet diese besondere Belohnung. Ich treffe das Kind, dass ich einmal war. Ich höre ihm zu, tröste es und gebe ihm den Raum, den es verdient. Jedes geschriebene Kapitel ist ein Schritt heraus aus dem gestern und hinein in ein versöhntes heute. Ein Weg voller Tränen, aber auch voller Liebe.
Es gibt Momente, da fühlt sich die Welt laut und schwer an. Doch dann trete ich ein in den Stall, in den Duft von frischem Heu und kühler Morgenluft, und da ist es: ein kleines Zicklein.
Sein Fell ist so weich wie eine Wolke, und wenn es den Kopf an meine Schulter und mein Gesicht lehnt, spüre ich eine Wärme, die bis tief in mein Innerstes strahlt.
Ein kleines Wesen, das mir zeigt, wie kostbar die Stille ist.
Ich schließe die Augen, atme den Duft von Freiheit und Tierliebe ein und spüre, wie die Risse in der Seele ganz langsam, Faser für Faser, heilen.