Dissoziationen: meine Reise ins Ungewisse

Es gab Momente, da waren sie so heftig, dass ich nicht mehr wusste, wer ich bin und wo ich hin muss. Auf dieser Seite teile ich meine persönlichen Erfahrungen mit Dissoziationen, damit sie verstehen, was es bedeutet, wenn die eigene Wahrnehmung zerbricht und man sich im nebel verliert.

Jeder kann betroffen sein

Dissoziationen können jeden treffen, oft als Reaktionen auf Stress oder Trauma. Es ist entscheidend, dass wir lernen, Anzeichen zu erkennen und Betroffene zu unterstützen. Solange sie reden können, ist es wichtig, sie anzusprechen und zu fragen, was man in diesen schwierigen Momenten tun kann, um Beistand zu leisten und sie zurück in die Realität zu holen. 

So hat es mir geholfen,  als sich eine Mitpatientin zu mir auf den Boden gesetzt und meine Beine massiert und mit mir normal geredet hat.

Ein anderes Mal war ich so tief weg, dass ich noch nicht einmal mitbekommen hatte,  wie die anderen in den Nebenraum gewechselt sind. Ich saß auf dem Stuhl, wurde getriggert, bekam Flashbacks (wie ein Film liefen gräßliche Erinnerungen vor meinem inneren Auge ab) und bin dann in die Dissoziation gefallen. 

Gefangen in einer Blase: mein Weg zurück

Ich selbst erlebte eine so heftige Dissoziation, ausgelöst durch einen Trigger und einen flashback, dass ich meine Identität verlor, in dem Moment, als ich den Raum durch die Zimmertür verließ.

Mein Körper zog mich unterbewusst weg von diesem Raum, doch ich war wie in einer Blase gefangen und nahm meine Umgebung kaum wahr.

Glücklicherweise hatte ich meinen Zimmerschlüssel bei mir, als ich orientierungslos durch die Klinik lief. Es war ein moment tiefer Verwirrung und Isolation.

Aber ich war dankbar, in diesem für mich absolut neuen und vor allem besorgniserregenden Moment in der Reha- Klinik gewesen zu sein. Dort bekam ich Hilfestellung von der Pflege und den Therapeuten. Zu Hause wäre ich damit verloren und vor allem total überfordert gewesen 

Verständnis finden und handlungsfähig bleiben

Diese Erfahrungen zeigen, wie wichtig es ist, über Dissoziationen zu sprechen und Hilfestellungen zu kennen. Auch in den schwierigsten Momenten gibt es Wege, Unterstützung zu erhalten und sich wieder zu orientieren. Es ist ein Schritt, sich der eigenen Verletzlichkeit zu stellen und den Weg zurück ins Leben zu finden.

Ich fragte meine Oberärztin,  ob sie denn Erfahrungen hat, wenn so ein Zustand im Außenbereich/auf der Straße aufkommt, ob man dann zum Beispiel weiß,  dass man an der roten Ampel stehen bleiben muss oder ob man verloren gehen kann.

Ihre Antwort: " Sie kennen ja bestimmt Geschichten von Menschen,  die vom Zigaretten holen nie wieder gekommen sind!"