
Welche Sätze sollte man einem Menschen mit Angsterkrankung und Depressionen nicht sagen und weshalb nicht
1. Sätze, die das Problem banalisieren oder herunterspielen
"Stell dich nicht so an" oder "Reiß dich mal zusammen."
Weshalb nicht?
Das suggeriert, dass die Erkrankung eine Charakterschwäche oder reine Willenssache ist. Depression und Angst sind jedoch ernsthafte biologische und psychische Erkrankungen, die man nicht einfach "abschalten"
"Andere haben es viel schlimmer als du."
Weshalb nicht?
Das führt zu Schuldgefühlen. Leid ist subjektiv. Nur weil jemand anderes leidet, verschwindet der eigene Schmerz nicht. Es entwertet die Gefühle der betroffenen Person. Krankheit ist keinWettkampf
"Das ist doch alles nur in deinem Kopf."
Weshalb nicht?
Auch wenn es stimmt, dass die Ursache im Gehirn liegt, sind die Symptome (Herzrasen, Atemnot, tiefe Traurigkeit) körperlich spürbar und real. Dieser Satz vermittelt, die Person bilde sich das alles nur ein.
"Mach einfach mal ein oder zwei Wochen alleine Urlaub und atme durch, dann wird es gut sein!"
Weshalb nicht ?
Urlaub hilft leider nicht bei Depressionen/seelischen Erkrankungen. Es ist eine diagnostizierbare, psychische Erkrankung, auch wenn sie in verschiedensten Ausprägungen und unterschiedlichsten Symptomen auftritt. Therapie in Kombination (je nach Schwere) mit Medikation ist da der richtige Weg.
2. Sätze, die Druck ausüben oder zu Lösungen drängen
"Du musst einfach positiver denken."
Weshalb nicht?
Bei einer Depression ist die Fähigkeit, Positives wahrzunehmen, neurobiologisch eingeschränkt. Der Satz erzeugt Druck, glücklich sein zu müssen, was das Scheitern daran umso schmerzhafter macht.
"Ich verstehe dich total, mir ging es letzte Woche auch mal schlecht."
Weshalb nicht?
Das vergleicht eine situative Verstimmung (die normal ist) mit einer klinischen Erkrankung. Es zeigt ein mangelndes Verständnis für die Schwere der Situation.
"Geh doch mal raus an die frische Luft, dann wird das schon."
Weshalb nicht?
Es ist gut gemeint, aber für einen Depressiven kann das Aufstehen schon ein riesiger Kraftakt sein. Es reduziert die Krankheit auf ein kleines Alltagsproblem.
3. Sätze, die Schuldgefühle erzeugen
"Du musst das für deine Kinder/deinen Partner tun."
Weshalb nicht?
Die betroffene Person möchte das meistens, kann es aber nicht. Dieser Satz verwandelt die Krankheit in ein Versagen gegenüber geliebten Menschen und steigert die Hoffnungslosigkeit.
"Warum bist du so traurig? Du hast doch eigentlich alles."
Weshalb nicht?
Depression ist keine Reaktion auf äußere Umstände, sondern eine Krankheit. Das führt dazu, dass sich der Betroffene schuldig fühlt, nicht glücklich sein zu können, obwohl "alles gut" scheint.
Was man stattdessen sagen kann
Oft hilft es, keine Ratschläge zu geben, sondern einfach da zu sein
"Ich weiß nicht genau, wie du dich fühlst, aber ich bin für dich da."
"Du musst jetzt nicht stark sein."
"Was kann ich tun, um dir den Tag ein bisschen leichter zu machen?"
"Das ist nicht deine Schuld."